Stiftung Warentest und Finanztest

Die Stiftung Warentest mit ihrem monatlichen Magazin Finanztest zählt zu den bekanntesten und unabhängigsten Testinstituten in Deutschland. Als gemeinnützige, teilweise staatlich finanzierte Verbraucherorganisation hat sie keine wirtschaftlichen Verbindungen zur Versicherungsbranche.

Musterkunden statt Einzeltarife

Finanztest bewertet PKV-Tarife typischerweise anhand fest definierter Musterkunden, etwa eines bestimmten Alters, Berufs und Familienstands, und prüft, welche Tarife für diese Musterprofile die beste Kombination aus Leistung, Beitrag und Vertragsbedingungen bieten. Im Fokus stehen dabei unter anderem Leistungsgarantien, die Absicherung bei Zahnersatz und die stationären Wahlleistungen.

Ein umfassender PKV-Test der Stiftung Warentest findet nicht jährlich statt, sondern in unregelmäßigeren Abständen von mehreren Jahren. Zwischen den großen Gesamtvergleichen veröffentlicht Finanztest jedoch regelmäßig Einzeltests zu spezifischen Themen, etwa zu Zahnzusatzversicherungen, Auslandskrankenversicherungen oder Pflegezusatztarifen. Bei Zahnzusatztarifen erzielten in solchen Einzeltests etwa der Tarif Mehr Zahn der Barmenia und die ZahnSchutz-Premium-Tarife der Württembergischen jeweils die Bestnote 0,5.

Ein Grund für diesen selteneren Rhythmus liegt im hohen methodischen Aufwand: Für einen vollständigen PKV-Vergleich müssen zahlreiche Tarifbedingungen verschiedener Anbieter über mehrere Musterprofile hinweg detailliert geprüft werden, was einen erheblichen Recherche- und Analyseaufwand bedeutet. Wer aktuelle Einschätzungen zu einem bestimmten Anbieter sucht, sollte daher neben der Stiftung Warentest auch die häufiger aktualisierten Bewertungen der spezialisierten Ratingagenturen berücksichtigen.

Franke und Bornberg

Die Ratingagentur Franke und Bornberg ist seit dem Jahr 2000 aktiv und hat sich auf die faktenbasierte Analyse von Versicherungsbedingungen spezialisiert. Anders als die Stiftung Warentest konzentriert sich Franke und Bornberg vor allem auf die vertraglichen Details einzelner Tarife.

Bewertungsklassen von FFF+ bis F-

Franke und Bornberg vergibt Bewertungen in einer Skala von FFF+ (hervorragend) bis F- (ungenügend) und differenziert dabei nach unterschiedlichen Tarifkategorien, etwa Grundschutz, Topschutz oder spezielle Beihilfetarife für Beamte. Diese Differenzierung erlaubt einen gezielteren Vergleich als ein pauschales Gesamturteil über den gesamten Anbieter.

Franke und Bornberg aktualisiert seine Bewertungen in der Regel jährlich und deckt damit die laufenden Veränderungen im Tarifportfolio der Versicherer deutlich zeitnaher ab als die selteneren Gesamtvergleiche der Stiftung Warentest. Die Ergebnisse werden sowohl an Verbraucher als auch im Rahmen von Analyseberichten an die Versicherungsbranche selbst vermarktet.

Neben den klassischen Vollversicherungstarifen bewertet Franke und Bornberg auch spezielle Segmente wie Beihilfetarife für Beamte gesondert, was für diese Zielgruppe eine differenziertere Orientierung bietet als ein allgemeines PKV-Gesamturteil. Wer als Beamter oder Beamtenanwärter einen Tarif sucht, sollte daher gezielt nach der jeweiligen Beihilfetarif-Bewertung Ausschau halten, statt sich am allgemeinen Anbieterrating zu orientieren – etwa bei traditionellen Beihilfe-Spezialisten wie der Debeka oder der BBKK, die beide historisch auf diese Zielgruppe ausgerichtet sind.

Assekurata

Assekurata ist eine weitere unabhängige Ratingagentur, die sich neben der reinen Tarifbewertung auch auf die Analyse der Unternehmensqualität und Servicequalität von Versicherern spezialisiert hat.

Fokus auf Unternehmens- und Servicequalität

Neben der klassischen Tarifbewertung untersucht Assekurata regelmäßig, wie zufrieden Kunden mit der Erreichbarkeit, der Bearbeitungsgeschwindigkeit und dem Beschwerdemanagement eines Versicherers sind. Diese Kriterien lassen sich in Leistungstabellen kaum abbilden, spielen im Versicherungsalltag jedoch eine wichtige Rolle.

Für Verbraucher, denen neben dem reinen Leistungsumfang auch die Servicequalität und ein reibungsloser Kontakt mit dem Versicherer im Alltag wichtig sind, liefert Assekurata damit eine Perspektive, die klassische Bedingungsvergleiche nicht abdecken.

Diese Servicequalität lässt sich in der Praxis erst nach Vertragsabschluss vollständig beurteilen, etwa wenn tatsächlich eine Rechnung eingereicht oder eine Nachfrage an die Kundenhotline gestellt wird. Assekurata-Bewertungen können daher gerade für Neukunden, die selbst noch keine Erfahrung mit einem bestimmten Versicherer gesammelt haben, eine wertvolle zusätzliche Orientierung bieten.

Morgen & Morgen und map-report

Auch die Ratingagentur Morgen & Morgen sowie der map-report zählen zu den regelmäßig zitierten Quellen für PKV-Vergleiche in Deutschland.

Detaillierte Leistungsfragen als Bewertungsgrundlage

Morgen & Morgen bewertet Tarife häufig anhand eines umfangreichen Katalogs an Einzelfragen zum Leistungsumfang, teils mehrere Dutzend Fragen pro Tarifkategorie. Diese detaillierte Methodik erlaubt eine sehr feingliedrige Einordnung, kann aber für Laien ohne fachliche Einordnung schwerer verständlich sein als ein einfaches Schulnotensystem.

Der map-report konzentriert sich traditionell besonders auf die wirtschaftliche Entwicklung und Stabilität der Versicherer und ergänzt damit die eher leistungsorientierten Bewertungen anderer Institute um eine wirtschaftliche Perspektive.

Fitch Rating und Finanzstärke

Neben den auf Verbraucherprodukte spezialisierten Instituten bewertet die international tätige Ratingagentur Fitch Rating die grundsätzliche Finanzstärke und wirtschaftliche Stabilität von Versicherungsunternehmen.

AA, AA- und Co.: Ratingstufen für Finanzkraft

Fitch Rating vergibt Bewertungen wie AA oder AA-, die Aufschluss über die finanzielle Stabilität eines Versicherers geben. Eine hohe Bewertung deutet auf eine solide wirtschaftliche Basis hin, die langfristig stabile Beiträge und die dauerhafte Erfüllbarkeit der vertraglichen Leistungsversprechen wahrscheinlicher macht.

Für Versicherte, die eine private Krankenversicherung über Jahrzehnte hinweg abschließen, kann diese wirtschaftliche Stabilität ein mindestens ebenso wichtiges Kriterium sein wie der reine Leistungsumfang zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses, da sich Leistungen im Zeitverlauf grundsätzlich seltener ändern als die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens.

Ein finanziell stabiler Versicherer kann Beitragserhöhungen langfristig moderater gestalten, da eine solide Kapitalausstattung Schwankungen im Schadensverlauf besser abfedert. Wer bei der Anbieterwahl ausschließlich auf den anfänglichen Beitrag schaut, ohne die wirtschaftliche Substanz des Versicherers zu berücksichtigen, geht damit ein Risiko ein, das sich erst nach vielen Jahren in Form überdurchschnittlicher Beitragssprünge bemerkbar machen kann.

Wirtschaftsmagazine als weitere Quelle

Neben den spezialisierten Ratingagenturen veröffentlichen auch Wirtschaftsmagazine wie Focus Money und die Wirtschaftswoche in unregelmäßigen Abständen eigene PKV-Vergleiche, häufig in Zusammenarbeit mit einer der etablierten Ratingagenturen.

Beispiel

Musterkunden-Vergleiche

Die Wirtschaftswoche hat für ihre PKV-Vergleiche unter anderem einen 45-jährigen Selbstständigen und eine 25-jährige angestellte Unternehmensberaterin als Musterprofile herangezogen, um die Beitragsunterschiede anschaulich zu illustrieren.

Beispiel

Kooperation mit Ratingagenturen

Focus Money hat für seine PKV-Vergleiche in der Vergangenheit mit Franke und Bornberg zusammengearbeitet, um sowohl die Leistungsqualität als auch die Beitragshöhe und Unternehmensbonität gemeinsam zu bewerten.

Solche Musterkunden-Vergleiche sind besonders anschaulich, weil sie greifbare Personengruppen abbilden, mit denen sich viele Leser leichter identifizieren können als mit abstrakten Bewertungsskalen. Wichtig bleibt dabei zu beachten, dass die eigene Situation vom gewählten Musterprofil abweichen kann.

Warum Testergebnisse voneinander abweichen

Wer die Ergebnisse verschiedener Testinstitute zum selben Anbieter vergleicht, stößt nicht selten auf abweichende oder sogar widersprüchliche Bewertungen. Das liegt vor allem an unterschiedlichen Bewertungsmethoden und Gewichtungen.

Unterschiedliche Schwerpunkte führen zu unterschiedlichen Ergebnissen

Während ein Institut vor allem den reinen Leistungsumfang eines Tarifs bewertet, legt ein anderes stärkeren Wert auf die Beitragsentwicklung, die Finanzstärke des Versicherers oder die Servicequalität. Auch die zugrunde gelegten Musterkunden und Tarifkategorien unterscheiden sich zwischen den Instituten, was direkte Vergleiche zusätzlich erschwert.

Diese methodischen Unterschiede sind kein Zeichen mangelnder Seriosität einzelner Institute, sondern spiegeln lediglich unterschiedliche fachliche Schwerpunkte wider. Für Verbraucher bedeutet das: Ein Blick auf mehrere unabhängige Quellen liefert ein deutlich vollständigeres Bild als die alleinige Orientierung an einem einzigen Testurteil.

Auch der Erhebungszeitpunkt spielt eine Rolle: Ein Tarif, der vor zwei Jahren als Testsieger hervorging, kann inzwischen durch einen Nachfolgetarif abgelöst oder in seinen Bedingungen verändert worden sein. Wer eine ältere Testveröffentlichung als Entscheidungsgrundlage heranzieht, sollte daher stets prüfen, ob der bewertete Tarif überhaupt noch in dieser Form am Markt erhältlich ist.

Grenzen von Testurteilen

So hilfreich Testergebnisse als erste Orientierung sind, ersetzen sie keine individuelle Prüfung der eigenen Situation.

Zu beachten

Musterkunde ≠ eigene Situation

Ein für den Musterkunden bestbewerteter Tarif kann für die eigene Altersgruppe, Berufssituation oder Gesundheitshistorie deutlich anders ausfallen.

Zu beachten

Momentaufnahme statt Dauerzustand

Testurteile spiegeln den Stand zum Erhebungszeitpunkt wider. Tarife und Beitragsentwicklungen können sich seither verändert haben.

Auch die Beitragsstabilität über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg lässt sich durch einen einmaligen Test kaum verlässlich vorhersagen, da sie von vielen Faktoren abhängt, die sich erst über Jahre und Jahrzehnte zeigen – etwa der Kalkulationsweise des Versicherers oder der allgemeinen Kostenentwicklung im Gesundheitswesen.

Ein weiterer Grenzfall betrifft die individuelle Gesundheitsprüfung: Selbst der laut Test beste Tarif nützt wenig, wenn eine Vorerkrankung im eigenen Antrag zu einem Risikozuschlag oder einer Ablehnung führt, während ein anderer, im Test schlechter bewerteter Anbieter die betreffende Vorerkrankung möglicherweise unproblematisch annimmt. Testurteile beziehen sich stets auf einen gesundheitlich unauffälligen Musterkunden, nicht auf die eigene, individuelle Gesundheitshistorie – wie der eigene Antrag im Detail abläuft, erklärt der eigene Ratgeber zu den Gesundheitsfragen bei der PKV.

Testergebnisse richtig einordnen

Für eine sinnvolle Nutzung von PKV-Tests empfiehlt sich ein zweistufiges Vorgehen: Zunächst dienen Testergebnisse als grobe Vorauswahl, um aus der Vielzahl verfügbarer Tarife eine überschaubare Gruppe potenziell passender Anbieter zu identifizieren.

Vorauswahl treffen, dann individuell vergleichen

Im zweiten Schritt sollten die in Frage kommenden Favoriten anhand der eigenen, persönlichen Anforderungen im Detail verglichen werden – unabhängig vom pauschalen Testurteil. Dabei spielen unter anderem die gewählte Selbstbeteiligung, gewünschte Zusatzbausteine, das eigene Alter und der Gesundheitszustand eine Rolle, die kein allgemeiner Test vollständig abbilden kann – eine Übersicht der relevanten Kostenfaktoren liefert der eigene Ratgeber zu den PKV-Kosten.

Wer sich für einen bestimmten Anbieter interessiert, findet auf den jeweiligen Anbieterseiten dieser Website bekannte, öffentlich dokumentierte Testergebnisse zu den einzelnen Tarifen, soweit diese vorliegen. Diese Angaben ersetzen jedoch keine unabhängige Beratung, die alle individuellen Aspekte der eigenen Situation berücksichtigt.

Ein zusätzlicher, praktischer Hinweis: Wer mehrere Testurteile zum selben Anbieter vergleicht, sollte darauf achten, ob sich die Bewertungen auf denselben Tarif und dieselbe Tarifgeneration beziehen. Versicherer benennen ihre Tarife im Zeitverlauf mitunter um oder führen mehrere Tarifgenerationen parallel, sodass ein älteres Testurteil nicht automatisch auf den heute abschließbaren Tarif übertragbar ist.

PKV im Test: kurz zusammengefasst

Stiftung Warentest, Franke und Bornberg, Assekurata, Morgen & Morgen und Fitch Rating bewerten die private Krankenversicherung mit jeweils eigenen Schwerpunkten – von Leistungsumfang über Servicequalität bis zur Finanzstärke. Testurteile bieten eine sinnvolle Vorauswahl, ersetzen aber keinen individuellen Tarifvergleich anhand der eigenen Lebenssituation. Bekannte Testergebnisse zu einzelnen Tarifen finden sich, soweit vorhanden, auf den jeweiligen Seiten der Anbieterübersicht.